Früher war alles besser, oder?

War es tatsächlich besser? Es war anders – definitiv.

Doch was ist es, das uns zuweilen mit Melancholie sehnsuchtsvoll in die Vergangenheit zurückblicken lässt? Häufig sind es die Unbeschwertheit, Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Geborgenheit aus der Kindheit, die einen Hauch von Nostalgie in unsere Gedanken zaubern. Zumindest bei mir. Wir Kinder lebten sorgenfrei, denn die Last der Sorgen trugen die Eltern. Es ist das einfache Leben, nach dem wir uns manchmal zurück sehnen.

Das Leben der Menschen früher war häufig von schwerer, körperlicher Arbeit geprägt. Jedoch immer im Einklang mit dem natürlichen Jahreslauf, vor allem im ländlichen Raum. Im Frühling wurden die Felder und Gärten bestellt, Sommer und Herbst waren der Ernte und Einlagerung vorbehalten, im Winter wurde Holz gemacht, Reparaturen ausgeführt oder in den Stuben Handarbeiten angefertigt. Eben alles, wofür man das Jahr über nicht die Zeit hatte.

Die Menschen achteten respektvoll die Natur und deren wertvolle Gaben, akzeptierten gleichwohl auch ihre zerstörerische Kraft. Sie trotzten dort, wo es sinnvoll und wichtig war, den Naturgewalten, maßen sich dennoch nicht an, diese zu beherrschen.

Es gab ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl in Familie und der Gesellschaft, denn man war meist auf gegenseitige Hilfe angewiesen. 

Und doch hatte das einfache Leben auch seine unbequemen Seiten. Dinge, die für uns heute völlig unverzichtbar erscheinen, waren durchaus nicht immer selbstverständlich. Wer von uns könnte sich vorstellen, kein fließendes Wasser im Hause zu haben? Wir drehen einfach nur den Hahn auf. Meine Mutter musste als Kind noch das Wasser in schweren Eimern vom Dorfbrunnen nach Hause tragen und holte sich da bereits einen Wirbelsäulenschaden. Und wie herrlich ist es doch im Winter, sich in eine warme Wanne mit duftendem Schaumbad zu legen oder sich nach einem heißen Sommertag unter eine erfrischende Dusche zu stellen.

Ebenso wenig wie fließendes Wasser gab es wassergespülte Toiletten in den Häusern. Die Plumpsklos befanden sich häufig irgendwo im dunklen Treppenhaus oder manchmal gar im Hof, praktischerweise in der Nähe des Misthaufens. Gewiss nicht immer angenehm, vor allem in der kalten Jahreszeit.

Ebenso leidig wie unbehaglich war die Tatsache, dass in den Häusern und Wohnungen bei weitem nur wenige Räume geheizt waren, in aller Regel bloß Küche und Stube.  

Mal Hand aufs Herz, wer würde das alles heute noch freiwillig in Kauf nehmen? Ich ganz gewiss nicht.

Wir leben heute zumeist in angemessenem Wohlstand und haben ausreichend Freizeit, die wir dennoch häufig mit bürokratischen Vorgängen und langatmigen Behördengängen, wichtigen Arztterminen und Therapiestunden, notwendigen Besorgungen und Familienmanagement ausfüllen. Die essentielle Verbindung zum ursprünglichen Lebensfluss kommt uns dabei mehr und mehr abhanden. Vieles erscheint uns fremd und unnormal, weil wir dazu keinen natürlichen Bezug mehr haben.  

Und dennoch - können wir es schaffen, die positiven Werte der Vergangenheit in unser modernes Leben zu integrieren? Familienbande und gesellschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl stärken? Einander zuhören? Abends in der Familie einfach mal Geschichten erzählen statt „Glotze an“? Versuchen wir es doch einfach!

Das tapfere Schreiberlein
Claudia Amend
Lektorat, Ghostwriting, Schreibkeller

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